Wenn der Sommer leise Servus sagt

Doyle Bramhall spielt immer noch in der Champions League

Der texanische Bluesmusiker legt mit „Is it news“ sein drittes Werk in 13 Jahren vor, was ihn nicht gerade in die Gilde der Schwerstabeiter stellt. Aber Doyle Bramhall, 1949 in Dallas, Texas geboren, versüsst uns das Leben mit seinem gelegentlichen Erscheinen immer wieder.
Stevie Ray und Jimmie Vaughan spielten einst in der Band des Texaners, ausserdem schrieb der Trommler, Gitarrist und Sänger einige von Stevies grössten Hits. So zum Beispiel „Dirty Pool”, einen Song, den man auf Stevie Ray Vaughans Debütalbum Texas Flood hören kann. In seiner Heimat ist Doyle Bramhall bekannt wie ein bunter Hund, kein Wunder wenn er solche Scheiben veröffentlicht. Für „Is it news“ hat Bramhall, den aus dem Südwesten Louisianas stammenden Songwriter und Gitarristen C.C. Adcock, als Co-Autor, Produzent und zu meiner Glückseligkeit als Gitarrist mit an Board geholt. Das 2000 erschienene Album „House Rocker” von Charles Clinton Adcock gehört für mich immer noch zum Besten, was der Musikplanet zu bieten hat. Die Musik, zu der es C.C. Adcock hinzieht, ist der Zydeco. Zydeco stammt von der Musik der Kreolen ab, die im Süden der USA zu den französisch sprechenden Schwarzen gehören. Auch hat Mister Adcock nicht vergessen, die Magie des Voodoo`s mit ins Studio zu nehmen.
So ist aus „Is it news“ ein Meisterwerk entstanden, vor dem ich bewundernd mein Haupt neige, auch wenn der Platte jeglicher roter Faden fehlt. Doch genau das sorgt für eine knisternde Spannung. Dem Opener „Lost in the Congo“ fällt es leicht, sich mit stampfendem Bass und einer herrlich klampfenden Hookline ins Gehör zu spielen. Gelegentliches Übersteuern der Verstärker sorgt für den rauen Charakter dieses bluesigen Klangkörpers, der keinen Stillstand zulässt. Der bestimmte Gesang gibt das Zepter aber nicht aus der Hand und lässt das erdige „Is it news“ tief in der Seele wurzeln. Im Gedanken an John Lee Hooker ringt der Bass nach Luft und treibt die Rhythmusgitarren an. „Chateau Strut“ das Bramhall in den 70ern mit Billy Etheridge und Jimmie Vaughan eingespielt hat, versprüht die Zuversicht und Gelassenheit dieser Jahre. Mit „Tortured Soul“ lässt uns Bramhall durch den tiefen Süden von Adcocks Heimat trampen. Deutlich mehr Blues steckt in „Cryin“s Doublebass, welcher polternd den Dachboden durchforstet und nach Fotos vergangener Liebeleien sucht. „I´ll take you away“ macht süchtig, da glaubt sogar ein überzeugter Single wieder an die Liebe. Ganz grosses Kino, ich sehe Lauren Bacall lasziv durch das Bild laufen. Dann lässt der Himmel alle Schleusen offen und lässt „Big“ auf uns niederprasseln. Das erinnert doch sehr an die Warnungen unserer Mütter vor den langhaarigen, in Jeans gekleideten Jungs aus der Nachbarschaft. Laut und tobend krachen die Gitarren über unseren Köpfen. Neben C.C. Adcock zeigt Denny Freeman sein ganzes Können. Doyle nimmt uns an die Hand und begleitet uns durch das wehmütige „Ooh Wee Baby“. Besten Southern Rock gibt es auf „Top Rank Boxing“ zu hören, mit einem coolen Gitarrensolo von Mike Keller. Ein absolutes Highlight ist sicherlich „That Day“, diese Nummer schreib Bramhall unmittelbar nachdem er von Stevie Ray Vaughans Tod erfahren hat. Zwei Gitarren begleiten seine gefühlvolle Hommage an den zu früh verstorbenen Freund. Mit einem weiteren Besuch in der Heimat Adcocks endet dieses tolle Album, Bramhall Drums schlagen den Beat des Südens auf „Little Star“.
Lasst uns also den baldigen Verlust des Sommers sportlich nehmen, und lassen wir uns von Doyle Bramhall sanft in kältere Tage begleiten.

lusch