SBB-SOCKS!

Kürzlich musste ich mit dem Zug nach Stans. Nichts Ungewöhnliches eigentlich, reise ich doch regelmässig und gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich muss allerdings vorausschicken, dass ich nicht zu den Leuten gehöre, welche auf den letzten Drücker am Perron erscheinen. Das geht bei mir einfach nicht. Also stehe ich meist 10 bis 15 Minuten bevor der Zug fährt am Bahngleis. An besagtem Tag allerdings, war ich für meine Verhältnisse, spät dran. Um 13.11 Uhr sollte der Zug abfahren, kurz vor 13 Uhr musste ich noch zum Bankomaten und danach die Fahrkarte lösen. Das tat ich dann auch und begab mich an den Schalter der SBB. Gut zu Wissen, dass Luzern einen Express-Schalter eingerichtet hat: “Für Reisende deren Zug in 15 Minuten fährt” stand da in blinkenden Lettern. Die vier amerikanischen Touristen, welche Zuvorderst standen, verliessen gerade zufrieden den Schalter. Vor mir nur noch ein junger Herr in braunem Anzug. Als Zweiter in der Reihe bekommt man, ob man es nun möchte oder nicht, fast den gesamten Dialog mit. Ich weiss zum Beispiel jetzt, dass Bankangestellte ihre Geschenkgutscheine 1. während der Arbeitszeit, 2. mit Quittung (auf die Bank ausgestellt) und 3. am falschen Schalter lösen, aber 4. nicht wissen wo man Socken kauft. Nun gut, die ersten zwei Punkte gehen mich ja nichts an. Beim Dritten könnte man noch dagegen halten, dass der Mann vielleicht gar nicht bemerkt hat, dass er am Dringlichkeits-Schalter steht. Dem entgegne ich: wieso sagt ihm denn das keiner? Der nette Herr an besagtem Schalter fühlte sich in keiner Weise dazu veranlasst. Im Gegenteil, die Herren bebauchpinselten sich gegenseitig und ein Wort ergab das Andere… können Sie mir sagen, wie lang denn dieser Gutschein gültig ist… ah, danke… und wann fährt nun die Bahn und von wo habe ich die beste Verbindung?… Ach ja, darf ich Ihnen noch eine Quittung ausstellen? Herzlichen Dank… Gerngeschehen, war mir ein Vergnügen. Ganz meinerseits… Das Ganze Verkaufsgespräch dauerte fast zehn Minuten. Wie man das noch toppen kann? Beim Abwenden drehte sich der sichtlich zufriedene Herr nochmals dem Ticketverkäufer zu und fragte: “Ach, fast hätte ich’s vergesen, können Sie mir noch sagen, wo ich hier in der Nähe Socken kaufen kann?” Die Antwort habe ich nicht mehr gehört… und ich wollte sie auch nicht hören. Meinem ziemlich agressiven “Schalten Sie die verdammte Leuchtschrift da oben aus”, entgegnete der Herr am Schalter dann nichts mehr ausser einem völlig konsternierten Blick. Mein Vorschlag also: Liebe SBB, schaut doch mal bei der Post vorbei. Da bekommt man mittlerweile vom Handy über wiederbeschreibbare CDs bis hin zu den auf Kinderaugenhöhe plazierten Schleckereien, alles was das Herz begehrt. Was, liebe SBB, spricht am Expressschalter gegen eine gemütliche Kaffee-Ecke mit kleinen Accessoires wie Socken, Krawatten, Haar-Gel oder Ähnlichem? Übrigens, den Zug habe ich 10 Sekunden, also knapp vor der regulären Abfahrt noch erwischt… meinem sportlichen Sondereinsatz sei Dank!

ah

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.