Ösiianisch- Lektion 1

Ich werde versuchen an dieser Stelle regelmässig, in unregelmässigen Abständen, meinen lieben Schweizer Freunden die Sprache der Österreicher|innen näher zu bringen. Auch in Österreich gibt es unterschiedliche Dialekte. Mein Hauptaugenmerk wird sich auf den von mir favorisierten Wiener Dialekt richten, werde aber auch Ausflüge in den Tiroler und Kärntner Sprachraum unternehmen. Heute möchte ich ganz an den Anfang gehen.
So kam der Wiener zu seiner Sprache.
Was nirgends niedergeschrieben, überliefert und vor allem von religiösen Kreisen energisch bestritten wird, die Schöpfung dauerte mitnichten nur sieben Tage. Den Beweis oder zumindest ein starkes Indiz für diese These folgt am Schluss dieser Lektion. Nach sieben Tagen war der Mensch noch sprachlos, übrigens haben einige Exemplare diesen Zustand bis in die heutige Zeit nicht verändert.
Also erschuf Gott am 8.Tage die Sprache, wobei er sich beim Deutsch besonders Detailverliebt zeigte und diese Sprache in Dialekte unterteilte. Im schweizerisch-, österreichischen Alpenraum freilich legte Gott mehr Beachtung auf eine kurze prägnante Ausdrucksweise, mussten doch Berge und Täler überwunden werden. In diesen Gebieten treffen wir noch heute den Ursprung der Sprache beim Jodeln und Juchzen (zum Glück muss ich dieses Wort nur schreiben). Schönes Beispiel für die Einsilbigkeit dieser Dialekte kann der interessierte Leser in der Schweiz beim Jassen, oder in Österreich beim Schnapsen beobachten. Über Stunden wird nur mit kürzesten Sätzen kommuniziert. Gott schien dies gewusst, oder zumindest geahnt zu haben, und scheint in das Feintuning nicht viel Zeit investiert zu haben. Die Auswirkungen ungelenken Sprechens ist in heutiger Zeit bei Ex-Bundesräten zu beobachten………. Trotzdem waren die Menschen zufrieden, überhaupt einen Gags von sich zu geben. Und so verteilte Gott grosszügig weiter Dialekte. Der Berliner hatte sofort seinen Spass; “Icke hab nenn Wahnsinns Dialekt, WA?” Die Hanseaten, Kölner, ja sogar die Ostfriesen waren glücklich mit ihrer Sprache. Der Hesse liess sich zu einem überschwänglichen; “Babbel net, di Hessa babbeln des best Hochdeutsch!” hinreissen. Und der Sachse, der zu jener Zeit noch nicht ahnte, dass er als Ossi in die Geschichte eingehen wird, liess verlauten; “Ja nu freilisch is äs Sächsisch klosse!”
Nur der Wiener war traurig, für ihn war kein Dialekt mehr geblieben. Aber Gott wäre nicht Gott, und so sprach er zum Wiener; “Scheiss di ned au, Oida, dann redst hoid wia I… !!”
Und so scheint es mir völlig nachvollziehbar, das jemand der diese Sprache spricht, aus Schlampigkeit schon mal den einen oder anderen Tag vergisst.
Fortsetzung folgt………..

lusch

Von allem ein wenig zu viel, nur vom Leben zu wenig.

„Stoned“ heißt der Film von Stephen Woolley, der mit dem nassen Tod des verwunschenen Gründerprinzen der Rolling Stones, Brian Jones, beginnt.
Möchte gleich vorweg erwähnen, das dieser Film nicht neu und ich absolut kein Filmkenner bin. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich einiges anmerken.„Stoned“ konzentriert sich auf die letzten Wochen im Leben von „Stones“-Gründer Brian Jones (Leo Gregory), wobei frühere Entwicklungen immer wieder in Rückblenden integriert werden. Soweit so gut. Ich halte den Film schlicht und ergreifend für viel zu harmlos, dies soll also das rasante Leben eines grossen Rockstars sein? Da wird uns Teenie-Sex geboten, wo bleiben die Ausschweifungen des drogenabhängigen Erotomanen Brian. Als große Liebe von Jones erscheint im Film Anita Pallenberg (Monet Mazur), eine gewalttätige Amour fou ist ihre Beziehung, die nur in einem Verrat enden konnte. Pallenberg, die große, immer noch unbeschriebene Muse der Musik und des Kinos nicht nur jener Zeit, verließ Jones für Keith Richards. Und dies war wohl auch der Beginn der Talfahrt des Brian Jones.Da Woolley den Bauunternehmer Frank Thorogood (Paddy Considine) als Mörder von Jones sieht, nimmt das Verhältnis zwischen dem Musiker und dem Handwerker einen grossen Raum ein. Ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis entsteht bald zwischen den beiden Männern, eine sadomasochistische, latent homosexuelle Beziehung, wie sie bereits in Cammells „Performance“ behandelt wurde. Der androgyne Brian Jones erscheint dabei immer mehr wie eine bizarre Mischung aus Rimbaud und Norma Desmond. Wie pragmatische Business-Leute wirken dann auch Jagger und Co., als sie Jones einmal kurz besuchen und den Träumer endgültig aufs Abstellgleis schicken. Und dann wäre da noch die Musik, die Stones scheinen von Woolleys Film nicht begeistert gewesen zu sein, haben sie ihm jegliche Rechte an den Songs verweigert. Einzig eine für mich viel zu kurze Sequenz einer Session an der legendären Edith Groove, als die jungen Richards und Jones den frühen Sound der Rolling Stones fanden. Trotzdem – für Musikfans ist “Stoned” ein spannendes Zeitdokument. Mit einem Brian Jones, der Glück als langweilig empfand und lieber im Exzess zugrunde ging, als in Langeweile zu leben.Und ich habe mir wieder mal die alten Stones-Scheiben mit Mister Jones aufgelegt und ich finde sie noch immer genial.

lusch

Neues vom Duden

ver|os|peln; du verospelst; du verospeltest; verospelt; verosple!; sich übernehmen, den Überblick über eingegangene Risiken komplett verlieren, scheibchenweise tiefer in eine unangenehme Situation rutschen; etwas verospeln: etwas ruinieren, indem man über längere Zeit glaubt, auf der sicheren Seite zu stehen, obschon die Risiken bereits unüberschaubar geworden sind; (ugs. auch für beschissen)

ah

“Babyshambles” in der Kaserne Basel

Ja, ich habe mich riesig gefreut auf das Konzert der Babyshambles und Nein, ich wurde nicht enttäuscht. Soviel vorweg! Natürlich haben mich einige belächelt und mir bereits das Alternativprogramm von Basel an diesem Abend vorgelegt. Aber wie wir alle wissen, fand das Konzert statt. Die Vorzeichen für das Konzert standen zwar nicht allzu gut, war die Vorgruppe doch wieder einmal mehr als dürftig. Das Schöne an dieser Sache: ich habe den Namen der Band bereits wieder vergessen. Ein paar Minuten nach 21 Uhr betraten Mr. Doherty und Band die Bühne. Und was dann abging, war Rockmusik vom Feinsten. 2 Songs waren gespielt, als der Tourmanager auf die Bühne sprang und die Band nach Hinten riss. Danach sah man 5 Minuten lang keinen Musiker auf der Bühne. Wars das bereits? Mitnichten. Eine sichtlich gut gelaunte Combo betrat, nachdem sich die Leute beruhigt hatten, wieder die Bühne. Zum Erstaunen Vieler, gings im gleichen Stil weiter. Druck- und lustvoll spielte sich eine nahezu perfekte Band durch ihr Repertoire. Und Pete Doherty machte sich dran, mit seinem Gitarrenspiel den satten Sound, welche die Band aufbaute, wieder niederzureissen, was ein paar Musikkritiker dann allerdings als die Ignoranz eines schlechten Gitarristen auslegten. In Wirklichkeit war es die spannende Arbeit einer Band, die mit Perfektion und einer gehörigen Portion Rotz und Frechheit spielte.
It’s only Rock’n’Roll but I like it!!!

Setlist:
Carry On
Delivery
Beg Steal
Pretty Sue
Baddies
Untookie
Side of Road
Boy David
Unbilo
Blinding
You Talk
Sedative
French Bog Jewels
Albion
Pipe Down
Killimangiro
Back from Dead
I Wish
Fuck Forever

ah

The Bands visit

Der Erstling des israelischen Regisseurs Eran Kolirin handelt von einem ägyptischen Polizeiorchester, das zur Einweihung eines arabischen Kulturzentrums nach Israel fliegt, am Flughafen jedoch nicht abgeholt wird. Ein wunderbar poetischer Film über Einsamkeit und Sehnsucht, über Liebe und Musik. Ich habe mich selten so wohl gefühlt im Kino. Sechs von fünf Sternen

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ah

In Rainbows

Wie so mancher Musikinteressierte habe ich im Oktober letzten Jahres die Discobox von RADIOHEAD bestellt. Das Schöne an der Sache: Am 24. Dezember stand der Postbote vor der Tür mit einem grossen quadratischen Paket. Natürlich hätte ich das langersehnte “Päckli” unter den Weihnachtsbaum legen und mich wie meine Kinder, bis zum Heiligabend gedulden können… wollte ich aber nicht! Zu lange habe ich mich auf diesen Moment gefreut. Und was da zum Vorschein kam… das war… ( … ) hast du mal die Original-LP “Exile on Main Street” von den Stones oder die Vinyl-Box “Chicago at Carnegie Hall” von 1971 in Händen gehalten? Dann weisst du vielleicht, was ich meine. Da wurde viel Aufwand bei der Verpackung und beim Inhalt für viel gute Musik betrieben. Und genau dies zeichnet auch “In Rainbows” aus. Die Box ist sehr edel und hochwertig verarbeitet; 2 45er Vinyl-Platten, 2 CDs und 2 Hochglanzbooklets in einem wunderschönen, grafisch toll umgesetzten, robusten Schuber. Musikalisch liefern Radiohead mit “In Rainbows” eine wunderbare Platte ab, welche locker an “Hail to the thief” anzuschliessen vermag. Anspieltipps: 15 Steps, Bodysnatchers, Nude, Weird Fishes/Arpeggi, All i need, Faust, Reckoner, House of Cards, Jigsaw falling into place, Videotape, MK1, Down is the new up, Go slowly, MK2, Lost Flowers to the hospital, Up on the ladder, Bangers & Mash, 4 Minute Warning, in derselben Reihenfolge.

ah