Ösiianisch- Lektion 2

Der Wiener in der Welt des Fussballs

Da bin ich doch nichts Böses ahnend, in unserem schönen Luzern unterwegs. Ich sinniere so vor mich hin, als mich ein jüngerer Herr von der Seite anspricht. Der Dialekt des Mannes lies seine Wiener Herkunft nicht verleugnen. Er suche den Weg zum Löwendenkmal, mit einem Blick auf seine beiden Plastiktüten, weise ich ihn darauf hin, das der Löwe aber nicht gefüttert werden darf. Nach einem kurzen Zögern entgegnet er mir “Geh tuns mi net fadisieren, oder wollens mi frotzeln?“ ( Bitte langweilen sie mich nicht, oder wollen sie mich gar ärgern? ) Ich allerdings wies seine Anschuldigung weit von mir, er glaubte mir aber nicht und liess nicht locker: “ Heast, i merk scho wenn ma mi am Schmäh hoit“. (Hören sie, ich merke schon, wenn sich jemand lustig über mich macht). Ich versicherte ihm, ich hätte bekanntermassen gar keinen Humor und so schlage ich vor, ihm bei einem Bier den Weg zum Löwendenkmal zu beschreiben. Erstaunlich schnell willigt er ein. Kaum mit dem ersten Bier angestossen, verloren wir aber das Ziel aus den Augen, und kamen auf die bevorstehende Fussball-EM zu sprechen. Meine Frage nach den Chancen des österreichischen Teams, begegnet er mit einer Gegenfrage; “ Mähnens de Hatscherten?“ ( Meinen sie die Gehbehinderten?) Ja genau, dieselben meine ich. “ Jö schauns, de werden ka Laiberl reissen.“ ( Glauben sie mir, die werden keinen Erfolg haben ) „Owa es wär scho a Hetz, wanns de Piefkes hamdrahn täten“ ( Aber es wäre schon ein Spass, wenn sie die Deutschen heimschicken würden ) Hamdrahn, dieses Wort habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht gehört, den eigentlich bedeutet es umbringen. Aber in der Sache an und für sich kann ich nur beipflichten. Also bestellte ich noch eine Runde Bier und bot meinen Gegenüber das Du an, ah Ernstl, wie der grosse Ernst Happel, passt doch. Ich fand es nur fair, dem Ernstl zu sagen das der Löwe bei Anbruch der Nacht ins Gehege zurück müsse. Aber er schien nicht mehr sonderlich interessiert an Katzen, obwohl die Kellnerin aus dem Imsttal hatte es ihm angetan. Es war schwierig in wieder auf den rechten Pfad, sprich Fussball, zu bringen. Aber die glorreiche Vergangenheit des österreichischen Fussballs, liess unsere in jüngster Zeit geschundene Fussballer-Seele träumen von längst vergangenen Grosstaten. Angefangen vom Wunderteam, das ab 1930 mit einem neuartigen 2-3-5-System die Gegner überrannte. So wurde zum Beispiel, Lieblingsgegner Deutschland, in Berlin mit 6:0 abgefertigt. Mittelpunkt des Teams war Matthias Sindelar, der Papierene, ein Sagenumwobener Mittelstürmer. Aus bekannten Gründen endete das Wunderteam 1938! Noch ein Krügerl Bier, das brauchten wir, um den dritten Platz an der WM 1954 in der Schweiz zu begiessen. Die nächsten zwei Jahrzehnte gab es nicht viel zu feiern, immerhin erfand der geniale Ernst Happel die Abseitsfalle, der Legende nach nur darum, weil er zu faul zu laufen war. Ein doch ziemlich österreichischer Grund. Aber ansonsten sah das ganze ziemlich düster aus. Ja bis,am 21. Juni 1978 im fernen Córdoba das Wunder geschah und Österreich die Deutschen mit 3:2 besiegen konnte. Sieben Tage vor meinem 20 Geburtstag. Was für eine perfekte Woche. Jetzt kam auch der Ernstl wieder so richtig in Schwung. “ jö wos da Schneckerl mit der Wuchtel ois angstöht hat“ ( Ja was der Herbert Prohaska alles mit dem Ball gezaubert hat) Marianne, das Mäderl aus Imst brachte uns noch ein Bier. Was unsere Zuversicht für das Spiel gegen Deutschland nochmals steigerte.

Nachtrag; Das passiert auch nur mir, da fragt mich jemand nach einem Löwen, und ich hab am nächsten Tag einen Kater………………

lusch

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