Jeff Bridges hat den Blues

“Country ist der Blues des weißen Mannes”, sagte Jeff Bridges, frisch ausgezeichneter Oscar-Gewinner für den Kinostreifen “Crazy Heart”, im ‘Stern’-Interview. Es geht hier um Verlust, Schmerzen und gebrochene Herzen. Beim Blues ist es nicht viel anders. Die besten Countrysongs erzählen von der Sehnsucht. Ihr Thema ist das Unterwegssein und die Endlosigkeit der Highways. Der Film Crazy Heart beginnt mit Bildern einer Prärielandschaft, über der sich ein azurblauer Himmel wölbt.
All my I’ve been loved and I’ve been alone
All my life I been a rolling stone
singt eine Männerstimme zur Akustikgitarre. Der Mann, der im rostigen Pullover durch den amerikanischen Süden fährt, heißt Bad Blake (bravourös gespielt von Jeff Bridges), ein Countrysänger, der seine besten Tage hinter sich hat. Er tingelt durch die Provinz, steigt in billigen Motels ab und spielt in Bowlinghallen und Spelunken, den Wirten dort ist strengstens untersagt, ihn mit Alkohol zu versorgen bei seinen Auftritten. Sie können, sagt einer von ihnen großzügig, aber gratis kegeln so viel sie wollen. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Whiskey. Bei seinen Konzerten muss er immer wieder mal in den Kulissen verschwinden, um sich in einen Mülleimer zu übergeben. Zurück auf der Bühne spielt er sein Gitarrensolo im Sitzen zu Ende. Sein größter Erfolg heißt Somebody Else. I used to be somebody, but now I’m somebody else, singt er da mit heller, brüchiger Stimme.
“Ich bin 57 Jahre alt, pleite und habe gerade noch zehn Dollar in meiner Tasche“, sagt er. Sein Leben ist eine einzige Flucht. Sofern er sich den Alkohol aus dem Leib gekotzt hat, und man ihn nicht bewusstlos neben dem Klo findet, kommt er noch ganz cool daher: Bad Blake hat viel verloren, aber ein Verlierer ist er nicht. In Santa Fe wird Blake von der jungen Lokalreporterin Jean (die bezaubernde Maggie Gyllenhaal) interviewt. Er erzählt von seiner Verehrung für Hank Williams und Gene Autry, von den vier gescheiterten Ehen und seinem Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Der einfühlsamen, hartnäckigen Frau gelingt es jedoch tatsächlich, zu ihm durchzudringen. Mehr noch, zwischen beiden entwickelt sich eine zarte Liebe. Mit Jean und ihrem kleinen Sohn kann er sich plötzlich noch eine Zukunft vorstellen. Und dann will ihn sein ehemaliger Zögling Tommy Sweet (Colin Farrell), der längst groß rausgekommen ist, die Massen mit seinem klebrigen Mainstream-Gesülze zu begeistern vermag, (wie im richtigen Leben halt ) auch noch als Songwriter und Support verpflichten. Klingt nach einer Wende, aber Blake ist für das Glück nicht geschaffen, vor Bindungen flieht er in den Alkohol, als die Reporterin ihn in Houston besucht, soll er ein paar Stunden auf ihren kleinen Sohn aufpassen. Blake steuert die nächste Bar an, und der Junge geht verloren. Nein, nein, hier haben wir keine wirklich tragische Geschichte vor uns. Im Gegenteil, the lust for life, die Gier nach dem Leben, nicht geboren aus Leid und Verlust, das ist in jeder Szene dieses Films zu spüren. Und dieser Streifen lebt eben unabdingbar auch von der Musik. Die eigens für den Film komponierten Songs sind weit mehr als Hintergrundbeschallung. Die Live-Nummern gehören zu den Highlights des Films. Für die Musik zeichnen mit dem genialen T-Bone Burnett und dem viel zu früh verstorbenen Stephen Bruton zwei absolute Könner ihres Fachs verantwortlich. Jeff Bridges beweist, dass er auch als Musiker durchaus Karriere hätte machen können und seine Stimme auch beim Singen überaus interessant klingt. Auf sechs Songs ist sie zu hören. “Hold On You” ist in langsames von der zarten Rhythmus- und Akkordeonbegleitung geprägtes Lied, “Somebody Else” dagegen ein Country-Rockabilly, “Fallin’ & Flying” , mein Favorit, überzeugt als sexy Country-Twang-Stück. “I Don’t Know” in der Bridges-Version ist mit Zydeco-Akkordeon verziert, während “Brand New Angel” wieder langsam und getragen daherkommt. Dazu kommt noch eine von Bridges und Colin Farell zusammen aufgenommene Version von “Fallin’ und Flying“. In der Auswahl des ergänzenden Musikmaterials haben Burnett und Bruton hervorragende Arbeit geleistet. Musikalisch und Thematisch ordnen sich die Songs glänzend ein. Der tragische, texanische Held Townes Van Zandt ist mit “If I Needed You” dabei, die Country-Rock-Poetin Lucinda Williams mit “Joy”, vertreten und Sam Phillips singt einmal mehr ganz wunderschön “Reflecting Light“. Auch auf Blues wurde nicht gänzlich verzichtet: Lightnin´ Hopkins interpretiert “Once A Gambler“. Einen schönen Abschluss gibt es mit der Titelmelodie des Films: “The Weary Kind“ von Ryan Bingham, eines der grössten Talente der Countryszene, wie er vor einem Jahr mit seiner zweiten CD “Roadhouse Sun“ eindrücklich bewiesen hat, für mich ein Juwel des letzten Jahres.

Crazy Heart, oder im Whiskey liegt die Wahrheit.

lusch

Wenn der Sommer leise Servus sagt

Doyle Bramhall spielt immer noch in der Champions League

Der texanische Bluesmusiker legt mit „Is it news“ sein drittes Werk in 13 Jahren vor, was ihn nicht gerade in die Gilde der Schwerstabeiter stellt. Aber Doyle Bramhall, 1949 in Dallas, Texas geboren, versüsst uns das Leben mit seinem gelegentlichen Erscheinen immer wieder.
Stevie Ray und Jimmie Vaughan spielten einst in der Band des Texaners, ausserdem schrieb der Trommler, Gitarrist und Sänger einige von Stevies grössten Hits. So zum Beispiel „Dirty Pool”, einen Song, den man auf Stevie Ray Vaughans Debütalbum Texas Flood hören kann. In seiner Heimat ist Doyle Bramhall bekannt wie ein bunter Hund, kein Wunder wenn er solche Scheiben veröffentlicht. Für „Is it news“ hat Bramhall, den aus dem Südwesten Louisianas stammenden Songwriter und Gitarristen C.C. Adcock, als Co-Autor, Produzent und zu meiner Glückseligkeit als Gitarrist mit an Board geholt. Das 2000 erschienene Album „House Rocker” von Charles Clinton Adcock gehört für mich immer noch zum Besten, was der Musikplanet zu bieten hat. Die Musik, zu der es C.C. Adcock hinzieht, ist der Zydeco. Zydeco stammt von der Musik der Kreolen ab, die im Süden der USA zu den französisch sprechenden Schwarzen gehören. Auch hat Mister Adcock nicht vergessen, die Magie des Voodoo`s mit ins Studio zu nehmen.
So ist aus „Is it news“ ein Meisterwerk entstanden, vor dem ich bewundernd mein Haupt neige, auch wenn der Platte jeglicher roter Faden fehlt. Doch genau das sorgt für eine knisternde Spannung. Dem Opener „Lost in the Congo“ fällt es leicht, sich mit stampfendem Bass und einer herrlich klampfenden Hookline ins Gehör zu spielen. Gelegentliches Übersteuern der Verstärker sorgt für den rauen Charakter dieses bluesigen Klangkörpers, der keinen Stillstand zulässt. Der bestimmte Gesang gibt das Zepter aber nicht aus der Hand und lässt das erdige „Is it news“ tief in der Seele wurzeln. Im Gedanken an John Lee Hooker ringt der Bass nach Luft und treibt die Rhythmusgitarren an. „Chateau Strut“ das Bramhall in den 70ern mit Billy Etheridge und Jimmie Vaughan eingespielt hat, versprüht die Zuversicht und Gelassenheit dieser Jahre. Mit „Tortured Soul“ lässt uns Bramhall durch den tiefen Süden von Adcocks Heimat trampen. Deutlich mehr Blues steckt in „Cryin“s Doublebass, welcher polternd den Dachboden durchforstet und nach Fotos vergangener Liebeleien sucht. „I´ll take you away“ macht süchtig, da glaubt sogar ein überzeugter Single wieder an die Liebe. Ganz grosses Kino, ich sehe Lauren Bacall lasziv durch das Bild laufen. Dann lässt der Himmel alle Schleusen offen und lässt „Big“ auf uns niederprasseln. Das erinnert doch sehr an die Warnungen unserer Mütter vor den langhaarigen, in Jeans gekleideten Jungs aus der Nachbarschaft. Laut und tobend krachen die Gitarren über unseren Köpfen. Neben C.C. Adcock zeigt Denny Freeman sein ganzes Können. Doyle nimmt uns an die Hand und begleitet uns durch das wehmütige „Ooh Wee Baby“. Besten Southern Rock gibt es auf „Top Rank Boxing“ zu hören, mit einem coolen Gitarrensolo von Mike Keller. Ein absolutes Highlight ist sicherlich „That Day“, diese Nummer schreib Bramhall unmittelbar nachdem er von Stevie Ray Vaughans Tod erfahren hat. Zwei Gitarren begleiten seine gefühlvolle Hommage an den zu früh verstorbenen Freund. Mit einem weiteren Besuch in der Heimat Adcocks endet dieses tolle Album, Bramhall Drums schlagen den Beat des Südens auf „Little Star“.
Lasst uns also den baldigen Verlust des Sommers sportlich nehmen, und lassen wir uns von Doyle Bramhall sanft in kältere Tage begleiten.

lusch

Springsteen fa esplodere San Siro

Ein Konzertereignis der Extraklasse

Auf die Plätze fertig los, heute gibt es was auf die Ohren. Kaum auf der Bühne legt die E-Street-Band und ihr Boss los, und wie. Eddie Cochrans „ Summertime Blues“ hallt kraftvoll durch das weite Rund des San Siro-Stadiums in Mailand. Und wie das passt, auch die hereinbrechende Nacht bringt keine Abkühlung, ein heisser Abend in jeder Beziehung. ” Out in the Streets “, ” Radio Nowhere “, “Prove it all Night ” Gleich einer TGV-Lokomotive donnert Spingsteen durch das Programm, lässt die E-Street-Band kaum zu Atem kommen, next Stopp – Rock’n’Roll Heaven. Also, die Band: Musiker, die seit so vielen Jahren zusammen spielen und immer noch Spass miteinander haben. Max Weinberg am Schlagwerk, mit der Kraft eines Hufschmieds hämmert er die Rhythmen in sein Drum-Kit. Little Steven und Nils Lofgren an den Gitarren, die mit kurzen, prägnanten Soli, aber immer mit einem unerbittlichen Drive die Wucht der Songs in die Menge zu treiben. Gary Tallent am Bass, stoisch ruhig, aber immer nach vorn orientiert. Und last but not least “the biggest man on earth” Clarence Clemons, dessen Saxophon von der Menge stürmisch bejubelt wird. Roy Bittan und Charles Giordano an den Tasten, sowie Soozie Tyrell an Gitarre und Violine vervollständigen die Band.
„One, two, three, four!“
„Just wanna hear some rhythm!“ Tausende Gitarren und ein Hammer-Schlagzeug will Bruce. Und Springsteen arbeitet, er schuftet, schwitzt und bolzt über die Bühne, er verzerrt sein Gesicht und schaut melancholisch, flirtet mit den jungen, hübschen Italienerinnen. Er zupft seine Gitarre nicht, sondern würgt sie, prügelt auf sie ein, er stolziert nicht über die schlichte Bühne, er stampft wie ein Cowboy, er rotzt, rockt und schwingt die Arme. Mit jeder Geste erinnert er an seine Helden aus der amerikanischen Arbeiterschicht, ein Woody Guthrie des 21 Jahrhunderts. Mit seinen Songs über ausgediente Minen, die Trostlosigkeit der Arbeitslosen, den unbezahlbaren Krediten der Farmer, den bezauberten Girls in ihren engen Bluejeans und den Suchenden auf den endlosen Highways. Ihnen allen hat er ein musikalisches Vermächtnis geschenkt. Wie schrieb doch Jon Landau 1974 im Sog eines Springsteen-Konzerts; “Ich habe die Zukunft des Rock ‘n’ Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.” Und ich habe ihn an diesem Abend verstanden. „Livin’ In The Future“, und von 1974 aus betrachtet, stimmt das auch. Langjährige Springsteen-Fans, wie Suzy und Nöggi, meine Begleiter an diesem Abend, sind ja sicher in Sachen Intensität einiges gewohnt, aber für mich, inmitten 65000 begeisterter Zuhörer sorgt es für einen Gänsehautschauer nach dem anderen. Und dies alles–schweissgebadet. Was da an Kraft und Spirit von der Bühne kommt, stärkt die Seele, hilft mir, sich den kleinen oder großen Unwegsamkeiten des Lebens mit einem Lächeln zu stellen. Nachvollziehbar, dass für viele, die dem “Boss” durch ganz Europa nachreisen, diese Konzerte eine Art spirituelles Ereignis sind. Ein weiterer Höhepunkt, Nils Lofgren lässt seine Gitarre in „Because the Night“ von der Leine, macht einfach nur Spass, mein Rock’n’Roll Herz ist entzückt, der TGV rast durch meinen Kopf. Mehr, schneller, lauter, meine Schweissdrüsen (In der Haut liegende Drüsen, die zum Kühlen der Hautoberfläche eine Flüssigkeit absondern, die zu 99% aus Wasser, etwas Kochsalz, Harnstoff und Fettsäuren besteht) arbeiten auf Hochtouren . Harnstoff? Vor uns tanzt ein junges Girl, und dies während den ganzen drei Stunden, und alles ohne eine einzige Schweissperle. Mit meinem Stoffwechsel kann was nicht stimmen. Nun gut, mein fünfzigster Geburtstag steht vor der Tür( Es lebe der Zentralfriedhof). „Girls in Their Summer Clothes“, die erste Zugabe, des Mannes liebste Jahreszeit…… Das umwerfende „ Detroit Medley“ bestehend aus „ Devil In Blue Jeans“,“Good Golly Miss Molly“,“C.C Rider“, „Jeanie Jeanie Jeanie“ lässt mich mein Alter vergessen. Als letzte der acht Zugaben, gibt uns Springsteen ein rockiges „ Twist And Shout“. Da könnte man sogar zum Beatles-Fan mutieren.
Über den Weg zurück ins Hotel, möchte ich nur einen grossen schwarzen Mantel des Schweigens legen; „Long Walk Home“

luckylusch

Ösiianisch- Lektion 2

Der Wiener in der Welt des Fussballs

Da bin ich doch nichts Böses ahnend, in unserem schönen Luzern unterwegs. Ich sinniere so vor mich hin, als mich ein jüngerer Herr von der Seite anspricht. Der Dialekt des Mannes lies seine Wiener Herkunft nicht verleugnen. Er suche den Weg zum Löwendenkmal, mit einem Blick auf seine beiden Plastiktüten, weise ich ihn darauf hin, das der Löwe aber nicht gefüttert werden darf. Nach einem kurzen Zögern entgegnet er mir “Geh tuns mi net fadisieren, oder wollens mi frotzeln?“ ( Bitte langweilen sie mich nicht, oder wollen sie mich gar ärgern? ) Ich allerdings wies seine Anschuldigung weit von mir, er glaubte mir aber nicht und liess nicht locker: “ Heast, i merk scho wenn ma mi am Schmäh hoit“. (Hören sie, ich merke schon, wenn sich jemand lustig über mich macht). Ich versicherte ihm, ich hätte bekanntermassen gar keinen Humor und so schlage ich vor, ihm bei einem Bier den Weg zum Löwendenkmal zu beschreiben. Erstaunlich schnell willigt er ein. Kaum mit dem ersten Bier angestossen, verloren wir aber das Ziel aus den Augen, und kamen auf die bevorstehende Fussball-EM zu sprechen. Meine Frage nach den Chancen des österreichischen Teams, begegnet er mit einer Gegenfrage; “ Mähnens de Hatscherten?“ ( Meinen sie die Gehbehinderten?) Ja genau, dieselben meine ich. “ Jö schauns, de werden ka Laiberl reissen.“ ( Glauben sie mir, die werden keinen Erfolg haben ) „Owa es wär scho a Hetz, wanns de Piefkes hamdrahn täten“ ( Aber es wäre schon ein Spass, wenn sie die Deutschen heimschicken würden ) Hamdrahn, dieses Wort habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht gehört, den eigentlich bedeutet es umbringen. Aber in der Sache an und für sich kann ich nur beipflichten. Also bestellte ich noch eine Runde Bier und bot meinen Gegenüber das Du an, ah Ernstl, wie der grosse Ernst Happel, passt doch. Ich fand es nur fair, dem Ernstl zu sagen das der Löwe bei Anbruch der Nacht ins Gehege zurück müsse. Aber er schien nicht mehr sonderlich interessiert an Katzen, obwohl die Kellnerin aus dem Imsttal hatte es ihm angetan. Es war schwierig in wieder auf den rechten Pfad, sprich Fussball, zu bringen. Aber die glorreiche Vergangenheit des österreichischen Fussballs, liess unsere in jüngster Zeit geschundene Fussballer-Seele träumen von längst vergangenen Grosstaten. Angefangen vom Wunderteam, das ab 1930 mit einem neuartigen 2-3-5-System die Gegner überrannte. So wurde zum Beispiel, Lieblingsgegner Deutschland, in Berlin mit 6:0 abgefertigt. Mittelpunkt des Teams war Matthias Sindelar, der Papierene, ein Sagenumwobener Mittelstürmer. Aus bekannten Gründen endete das Wunderteam 1938! Noch ein Krügerl Bier, das brauchten wir, um den dritten Platz an der WM 1954 in der Schweiz zu begiessen. Die nächsten zwei Jahrzehnte gab es nicht viel zu feiern, immerhin erfand der geniale Ernst Happel die Abseitsfalle, der Legende nach nur darum, weil er zu faul zu laufen war. Ein doch ziemlich österreichischer Grund. Aber ansonsten sah das ganze ziemlich düster aus. Ja bis,am 21. Juni 1978 im fernen Córdoba das Wunder geschah und Österreich die Deutschen mit 3:2 besiegen konnte. Sieben Tage vor meinem 20 Geburtstag. Was für eine perfekte Woche. Jetzt kam auch der Ernstl wieder so richtig in Schwung. “ jö wos da Schneckerl mit der Wuchtel ois angstöht hat“ ( Ja was der Herbert Prohaska alles mit dem Ball gezaubert hat) Marianne, das Mäderl aus Imst brachte uns noch ein Bier. Was unsere Zuversicht für das Spiel gegen Deutschland nochmals steigerte.

Nachtrag; Das passiert auch nur mir, da fragt mich jemand nach einem Löwen, und ich hab am nächsten Tag einen Kater………………

lusch

Little Rock ‘N’ Roller hat ausgeschlafen

Was für ein Privileg hatte dieser Kerl als Kind, konnte er doch einen „Gute Nachtsong“ sein Eigen nennen. Auf dem 1986 erschienenen Album „Guitar Town“ sang Steve Earle in Little Rock ‘N’ Roller; „cause I know there’s an angel just for rock ‘n’ rollers, watchin’ over you and your daddy tonight, go to sleep little rock ‘n’ roller”. Nun der kleine Rocker hat Ausgeschlafen, und er muss vor dem Einschlafen eine Menge guter Musik gehört haben. Nach der 2007 veröffentlichten EP „ Yuma“, stellt Justin Townes Earle mit “The Good Life” seine erste CD vor. Und das Teil fährt mir ein, wie ein kühles Bier an einem heissen Sommerabend. Auf “The Good Life” ist eine wunderbare Melange aus den Wurzeln amerikanischer Musik zu hören. Durch die Songs schleicht der Geist Townes Van Zandt’s, die Eleganz eines Guy Clark ist zu hören, Bruce Springsteen begleitet seinen jungen Musikerkollegen durch „Lone Pine Hill“ und die Einsamkeit eines Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Stimme von Justin Townes zeigt in manchen Phasen eine frappante Nähe zu Vater Steve (aus dessen Band er nach kurzem Gastspiel als Keyboarder und Gitarrist gefeuert wurde, ja auch kleine Rock ‘N’ Roller werden störrisch, vor allem, wenn sie zu sehr nach dem Vater geraten). Doch über Allem schwebt das feinsinnige Herz eines Gram Parsons, der im Titelsong unverkennbar Pate stand. Zu erwähnen wäre auch noch Justin Townes tolle Band, Pedal-Steel-Gitarrist Pete Finney (Dixie Chicks, Patty Lovelace), Bassist Bryn Davies (Patty Griffin, Guy Clark) und dem Schlagzeuger Bryan Owings (Buddy Miller, Shelby Lynne), sowie dem Keyboarder Skylar Wilson und an der Geige Josh Hedley. Für mich ein erstes musikalisches Highlight in diesem Jahr. Und alle, die mich ein wenig kennen, wissen, dass ich an einem Sommerabend nicht nach einem Bier heimgehe. Also schalt ich den Computer aus, setz mir die Kopfhörer auf und lass mich von Justin Townes Earle durch das gute Leben begleiten.

lusch

Profit essen Gewissen auf

Peking – Ein chinesisches Gericht hat einen Bürgerrechtsaktivisten zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil dieser sich in einem offenen Brief für die Respektierung von Menschenrechten eingesetzt hat. Der 52-jährige ehemalige Fabrikarbeiter Yang Chunlin war in der Stadt Jiamusi in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang (Mandschurei) der “Untergrabung der Staatsmacht” angeklagt worden, wie ein Gerichtssprecher am Montag bestätigte. Yang hatte mehr als zehntausend Unterschriften für einen offenen Brief mit dem Titel “Wir wollen Menschenrechte, nicht die Olympischen Spiele” gesammelt.

Soweit die nüchterne Meldung der SDA. Nach dem beschämenden Prozess gegen den Bürgerrechtler Hu Jia in Peking, bei dem dessen Anwälte an seiner Verteidigung behindert worden sind, also ein zweiter Fall von chinesischer Gerichtsbarkeit. Justitia reibt sich verwundert die Augen. Aber ist sie da nicht ein wenig zu streng? Yang Chunlin darf seinen Kopf behalten, ja nicht einmal die Hände werden ihm abgehackt. Und was bitte schön sind schon fünf Jahre für die schwerwiegende Anklage der “Untergrabung der Staatsmacht“. Muss doch ein gelobtes Land sein, in dem es einem 52-jährigen ehemaligen Fabrikarbeiter möglich ist, die Staatsmacht zu untergraben. Ist der Zusammenbruch der Staatsmacht, sagen wir mal für zehn Jahre Knast zu haben? Aber vielleicht liegt alles an der lausigen Übersetzung ins Deutsche? Und dies wäre alles andere als neu. Schon nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes der Tibeter 1959, setzte Peking die “demokratischen Reformen” in ganz Tibet durch, in deren Verlauf bis zum Beginn der Kulturrevolution 1966 über 90% der Klöster, Tempel und Kulturdenkmäler zerstört wurden. Als Demokratie (von griechisch demos: Volk und kratein: herrschen) bezeichnet man jene politischen Ordnungen, in denen sich die Herrscher auf den Willen des Volkes berufen. Der Volkswille soll in kollektiven Abstimmungen zum Ausdruck kommen, wobei die Mehrheit bestimmt, was zu geschehen hat. Ach so!
Und jetzt lese ich in Kommentaren und Kolumnen dass ein Boykott der olympischen Spiele in China keine Alternative wäre. Ja um Gottes Willen, liebe Leute, Alternative zu was bitte? Der Tod ist doch auch keine Alternative zum Leben, leben wir also ewig. Und für die eigene Überzeugung einzustehen, dafür gibt es doch auch keine Alternative. Ich gebe doch einem Vater der seine Kinder missbraucht, nicht meine Legitimation, indem ich am Geburtstag seiner Tochter den Clown mache. Aber wenn, sagen wir mal, ich durch diesen Herrn einfach an viel Geld komme, dann verkompliziert dies die Sache doch erheblich. Und genau das ist die Krucks. Der Westen ist dabei sich auf Kosten der chinesischen Bevölkerung zu sanieren, das, was wir Jahrhunderte in Afrika veranstaltet haben, haben wir jetzt auf China ausgeweitet. Globalisierung, schon klar. Profit, und alle machen mit, ein wahrlich olympischer Gedanke. Aber seien wir doch wenigstens ehrlich, wenn wir schon unser Gewissen verkauft haben. Sagen wir also, wir machen gute Geschäfte mit den Chinesen und alles andere, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen oder gar Umweltschutz sind zweitrangig und haben weder auf unsere finanzielle, noch auf unsere moralische Bilanz einen Einfluss. So, und kann mir jetzt noch jemand sagen, wie viel die Zeitverschiebung zu China beträgt, damit ich weiss ob ich zum 100-Meterfinal, Pommes-Chips oder Gipfeli kredenzen muss……………….

lusch

Schön traurig

Anlässlich des Konzertes von Mary Gauthier am 15.04 im Quasimodo, Berlin

“Everything worth holding slips through my fingers, Now my hands wrapped around the handle of a gun, I’m holding on to the handle of a gun“ singt Mary Gauthier im ersten Song ihres fünften Albums „Between Daylight And Dark“. Mit tiefer und todtrauriger Stimme besingt Gauthier in „Snakebit“ einen Mord. Eine Verzweiflung, die dem gesamten Album zugrunde liegt. Die Themen sind Zerbrochenheit, Selbstfindung, unerbittlicher Kampf, Trennung, Abschied und Schmerz. Alle diese Themen kommen in “Can’t Find The Way” zusammen. Der Song erinnert an Bob Dylan’s “I Shall Be Released”, nur mit weniger Hoffnung und mehr Frustration. Liebe und Geborgenheit erzeugen nur vorübergehende Glücksgefühle und stürzen einen nur noch tiefer ins Loch der Depression (“Before You Leave”, “Please”, “Same Road”). Da stellt sich die Frage ob es sich lohnt, sich mit dieser ganzen Trostlosigkeit auseinander zu setzen? Ja und nochmals ja, hört euch diese vom Leben gezeichnete Frau an. Ein von Joe Henry wunderbar produziertes Album, dem es gelungen ist, mit Marys Gespenstern zeitlos durch die Songs zu wandern. Stilistisch zwischen Folk und Country angesiedelt, gelingt es Gauthiers Dämonen etwas zu besänftigen. “Between Daylight And Dark” ist eine CD die ich sicher nicht allzu oft anhören werde, aber die sich schon jetzt in meine musikalische Seele gebrannt hat.
Wie sang Miss Gauthier 2001 in “I Drink“:
Fish swim
Birds fly
Lovers leave
By and by
Old men
Sit and think
I drink

Ja genau, ich auch.

lusch

Ösiianisch- Lektion 1

Ich werde versuchen an dieser Stelle regelmässig, in unregelmässigen Abständen, meinen lieben Schweizer Freunden die Sprache der Österreicher|innen näher zu bringen. Auch in Österreich gibt es unterschiedliche Dialekte. Mein Hauptaugenmerk wird sich auf den von mir favorisierten Wiener Dialekt richten, werde aber auch Ausflüge in den Tiroler und Kärntner Sprachraum unternehmen. Heute möchte ich ganz an den Anfang gehen.
So kam der Wiener zu seiner Sprache.
Was nirgends niedergeschrieben, überliefert und vor allem von religiösen Kreisen energisch bestritten wird, die Schöpfung dauerte mitnichten nur sieben Tage. Den Beweis oder zumindest ein starkes Indiz für diese These folgt am Schluss dieser Lektion. Nach sieben Tagen war der Mensch noch sprachlos, übrigens haben einige Exemplare diesen Zustand bis in die heutige Zeit nicht verändert.
Also erschuf Gott am 8.Tage die Sprache, wobei er sich beim Deutsch besonders Detailverliebt zeigte und diese Sprache in Dialekte unterteilte. Im schweizerisch-, österreichischen Alpenraum freilich legte Gott mehr Beachtung auf eine kurze prägnante Ausdrucksweise, mussten doch Berge und Täler überwunden werden. In diesen Gebieten treffen wir noch heute den Ursprung der Sprache beim Jodeln und Juchzen (zum Glück muss ich dieses Wort nur schreiben). Schönes Beispiel für die Einsilbigkeit dieser Dialekte kann der interessierte Leser in der Schweiz beim Jassen, oder in Österreich beim Schnapsen beobachten. Über Stunden wird nur mit kürzesten Sätzen kommuniziert. Gott schien dies gewusst, oder zumindest geahnt zu haben, und scheint in das Feintuning nicht viel Zeit investiert zu haben. Die Auswirkungen ungelenken Sprechens ist in heutiger Zeit bei Ex-Bundesräten zu beobachten………. Trotzdem waren die Menschen zufrieden, überhaupt einen Gags von sich zu geben. Und so verteilte Gott grosszügig weiter Dialekte. Der Berliner hatte sofort seinen Spass; “Icke hab nenn Wahnsinns Dialekt, WA?” Die Hanseaten, Kölner, ja sogar die Ostfriesen waren glücklich mit ihrer Sprache. Der Hesse liess sich zu einem überschwänglichen; “Babbel net, di Hessa babbeln des best Hochdeutsch!” hinreissen. Und der Sachse, der zu jener Zeit noch nicht ahnte, dass er als Ossi in die Geschichte eingehen wird, liess verlauten; “Ja nu freilisch is äs Sächsisch klosse!”
Nur der Wiener war traurig, für ihn war kein Dialekt mehr geblieben. Aber Gott wäre nicht Gott, und so sprach er zum Wiener; “Scheiss di ned au, Oida, dann redst hoid wia I… !!”
Und so scheint es mir völlig nachvollziehbar, das jemand der diese Sprache spricht, aus Schlampigkeit schon mal den einen oder anderen Tag vergisst.
Fortsetzung folgt………..

lusch

Von allem ein wenig zu viel, nur vom Leben zu wenig.

„Stoned“ heißt der Film von Stephen Woolley, der mit dem nassen Tod des verwunschenen Gründerprinzen der Rolling Stones, Brian Jones, beginnt.
Möchte gleich vorweg erwähnen, das dieser Film nicht neu und ich absolut kein Filmkenner bin. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich einiges anmerken.„Stoned“ konzentriert sich auf die letzten Wochen im Leben von „Stones“-Gründer Brian Jones (Leo Gregory), wobei frühere Entwicklungen immer wieder in Rückblenden integriert werden. Soweit so gut. Ich halte den Film schlicht und ergreifend für viel zu harmlos, dies soll also das rasante Leben eines grossen Rockstars sein? Da wird uns Teenie-Sex geboten, wo bleiben die Ausschweifungen des drogenabhängigen Erotomanen Brian. Als große Liebe von Jones erscheint im Film Anita Pallenberg (Monet Mazur), eine gewalttätige Amour fou ist ihre Beziehung, die nur in einem Verrat enden konnte. Pallenberg, die große, immer noch unbeschriebene Muse der Musik und des Kinos nicht nur jener Zeit, verließ Jones für Keith Richards. Und dies war wohl auch der Beginn der Talfahrt des Brian Jones.Da Woolley den Bauunternehmer Frank Thorogood (Paddy Considine) als Mörder von Jones sieht, nimmt das Verhältnis zwischen dem Musiker und dem Handwerker einen grossen Raum ein. Ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis entsteht bald zwischen den beiden Männern, eine sadomasochistische, latent homosexuelle Beziehung, wie sie bereits in Cammells „Performance“ behandelt wurde. Der androgyne Brian Jones erscheint dabei immer mehr wie eine bizarre Mischung aus Rimbaud und Norma Desmond. Wie pragmatische Business-Leute wirken dann auch Jagger und Co., als sie Jones einmal kurz besuchen und den Träumer endgültig aufs Abstellgleis schicken. Und dann wäre da noch die Musik, die Stones scheinen von Woolleys Film nicht begeistert gewesen zu sein, haben sie ihm jegliche Rechte an den Songs verweigert. Einzig eine für mich viel zu kurze Sequenz einer Session an der legendären Edith Groove, als die jungen Richards und Jones den frühen Sound der Rolling Stones fanden. Trotzdem – für Musikfans ist “Stoned” ein spannendes Zeitdokument. Mit einem Brian Jones, der Glück als langweilig empfand und lieber im Exzess zugrunde ging, als in Langeweile zu leben.Und ich habe mir wieder mal die alten Stones-Scheiben mit Mister Jones aufgelegt und ich finde sie noch immer genial.

lusch