Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Per Zufall zappte ich kürzlich auf SF1 wo im Club zum Thema “Offroader-Initiative: Krieg den Kraftprotzen” heiss diskutiert wurde. Diskutieren ist vielleicht etwas hoch gegriffen, jedenfalls sassen da mehrere Personen und tauschten Informationen aus. Und dann heisst es immer, das Schweizer Fernsehen hätte keinen Humor, pa! Dass ich nicht lache! Ich muss zugeben, dass auch ich in Sachen Humor meist “fremdgehe”. Mir sind halt z.B. Christoph Grissemann und Dirk Stermann bei “Willkommen Österreich” tausenmal lieber, als die unzähligen Standup-Comedians der deutschen Privatsender. Nun aber weiss ich, dass auch wir Schweizer ein Satire-Magazin haben. Real-Satire um genau zu sein. Herr Scherrer, seines Zeichens Polizeidirektor der Stadt Biel und amtierender Präsident des Kommitees gegen die Offroader-Initiative, fühlte sich jedenfalls in der Rolle des allwissenden “Auto-Papstes” richtig wohl und lachte mit Sicherheit am meisten (allerdings auch als Einziger) über seine Witze. Die Polizei, dein Freund und Helfer! Seit Kurzem wissen die “Linken und Sozis”, dass sie von diesem Leitsatz, zumindest in Biel, ausgeschlossen sind. Aber lustig war er schon, der Herr Scherrer. Wie er die Autoindustrie und im Speziellen, den Grossstadt-Traktor in Schutz genommen hat, das hatte was Rührendes. Sollen doch die Grünen und Sozis über CO2, Klimaerwärmung und andere Bagatellen der Menschheit weiterhin Lügen erzählen, gell Herr Scherrer, wir verlieren den Humor dabei nicht! Ja so sind sie halt, die wahren Humoristen; viel zu bescheiden. Und noch was habe ich gelernt an diesem Abend: Blondinenwitze gibt es noch! SF1-Club sei Dank! Der Retro-Wahnsinn geht weiter… aber wie bereits im Titel erwähnt, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und lachen tut laut Sprichwort ja eh der am Besten, welcher zuletzt lacht. Ha! Ein Hoch auf die wahren Komiker!

ah

Wenn der Sommer leise Servus sagt

Doyle Bramhall spielt immer noch in der Champions League

Der texanische Bluesmusiker legt mit „Is it news“ sein drittes Werk in 13 Jahren vor, was ihn nicht gerade in die Gilde der Schwerstabeiter stellt. Aber Doyle Bramhall, 1949 in Dallas, Texas geboren, versüsst uns das Leben mit seinem gelegentlichen Erscheinen immer wieder.
Stevie Ray und Jimmie Vaughan spielten einst in der Band des Texaners, ausserdem schrieb der Trommler, Gitarrist und Sänger einige von Stevies grössten Hits. So zum Beispiel „Dirty Pool”, einen Song, den man auf Stevie Ray Vaughans Debütalbum Texas Flood hören kann. In seiner Heimat ist Doyle Bramhall bekannt wie ein bunter Hund, kein Wunder wenn er solche Scheiben veröffentlicht. Für „Is it news“ hat Bramhall, den aus dem Südwesten Louisianas stammenden Songwriter und Gitarristen C.C. Adcock, als Co-Autor, Produzent und zu meiner Glückseligkeit als Gitarrist mit an Board geholt. Das 2000 erschienene Album „House Rocker” von Charles Clinton Adcock gehört für mich immer noch zum Besten, was der Musikplanet zu bieten hat. Die Musik, zu der es C.C. Adcock hinzieht, ist der Zydeco. Zydeco stammt von der Musik der Kreolen ab, die im Süden der USA zu den französisch sprechenden Schwarzen gehören. Auch hat Mister Adcock nicht vergessen, die Magie des Voodoo`s mit ins Studio zu nehmen.
So ist aus „Is it news“ ein Meisterwerk entstanden, vor dem ich bewundernd mein Haupt neige, auch wenn der Platte jeglicher roter Faden fehlt. Doch genau das sorgt für eine knisternde Spannung. Dem Opener „Lost in the Congo“ fällt es leicht, sich mit stampfendem Bass und einer herrlich klampfenden Hookline ins Gehör zu spielen. Gelegentliches Übersteuern der Verstärker sorgt für den rauen Charakter dieses bluesigen Klangkörpers, der keinen Stillstand zulässt. Der bestimmte Gesang gibt das Zepter aber nicht aus der Hand und lässt das erdige „Is it news“ tief in der Seele wurzeln. Im Gedanken an John Lee Hooker ringt der Bass nach Luft und treibt die Rhythmusgitarren an. „Chateau Strut“ das Bramhall in den 70ern mit Billy Etheridge und Jimmie Vaughan eingespielt hat, versprüht die Zuversicht und Gelassenheit dieser Jahre. Mit „Tortured Soul“ lässt uns Bramhall durch den tiefen Süden von Adcocks Heimat trampen. Deutlich mehr Blues steckt in „Cryin“s Doublebass, welcher polternd den Dachboden durchforstet und nach Fotos vergangener Liebeleien sucht. „I´ll take you away“ macht süchtig, da glaubt sogar ein überzeugter Single wieder an die Liebe. Ganz grosses Kino, ich sehe Lauren Bacall lasziv durch das Bild laufen. Dann lässt der Himmel alle Schleusen offen und lässt „Big“ auf uns niederprasseln. Das erinnert doch sehr an die Warnungen unserer Mütter vor den langhaarigen, in Jeans gekleideten Jungs aus der Nachbarschaft. Laut und tobend krachen die Gitarren über unseren Köpfen. Neben C.C. Adcock zeigt Denny Freeman sein ganzes Können. Doyle nimmt uns an die Hand und begleitet uns durch das wehmütige „Ooh Wee Baby“. Besten Southern Rock gibt es auf „Top Rank Boxing“ zu hören, mit einem coolen Gitarrensolo von Mike Keller. Ein absolutes Highlight ist sicherlich „That Day“, diese Nummer schreib Bramhall unmittelbar nachdem er von Stevie Ray Vaughans Tod erfahren hat. Zwei Gitarren begleiten seine gefühlvolle Hommage an den zu früh verstorbenen Freund. Mit einem weiteren Besuch in der Heimat Adcocks endet dieses tolle Album, Bramhall Drums schlagen den Beat des Südens auf „Little Star“.
Lasst uns also den baldigen Verlust des Sommers sportlich nehmen, und lassen wir uns von Doyle Bramhall sanft in kältere Tage begleiten.

lusch

Tom, vadavia-i-ciapp…

Fantastisches Tom Waits-Konzert in Mailand

Dass ich Tom Waits doch noch  live erleben durfte, verdanke ich wohl nicht zuletzt dem Umstand, dass Waits den Vorverkauf für die gesamte US und Europa-Tour mit einem neuen Ticket-System (Ticketmaster) abwickelte, bei welchem man die Konzertkarten nur mit der passenden ID ausgehändigt bekam. Bei Künstlern wie Waits, welche jeweils nur ein paar ausgewählte und kleinere Locations beehren, finde ich das eine optimale Lösung. Der Schwarzmarkt wird somit gänzlich unterbunden. Nun gut, jedenfalls betrat ich am 17. Juli kurz vor 21 Uhr das Teatro di Arcimboldi in Mailand. Ich gebe gerne zu, dass mein Herz etwas schneller geschlagen hat, als ich meinen Platz auf der Gallerie einnahm. Kurz vor Konzertbeginn ging im Saal plötzlich ein Raunen durchs Publikum, die Leute sprangen auf und tatsächlich, da war er: Roberto Benigni! Er lief mit seiner Frau, Nicoletta Braschi zu seinem Platz und genoss etwas verlegen die Sympathiebekundungen aus dem Publikum. Und dann wars endlich soweit, das Licht ging aus, ein paar Gestalten huschten auf die dunkle Bühne und stimmten unter frenetischem Applaus “Lucinda” an. Es sollte nicht der letzte Song vom wunderbaren Album “Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards” sein. Überhaupt spielte Waits auf der gesamten Tour, durchwegs auserlesen schöne Sets, welche sich quer durch das Musik-Universum dieses Ausnahmekünstlers zogen. Zum Beispiel eine wunderschöne Version von “All the world is green” vom Album “Blood Money” und gleich danach “Black Market Baby”, einer leicht groovenden Reggae-Version. Nach gut einer Stunde schlurfte der Maestro in Richtung Piano und leitete das Solo-Set wie folgt ein: “All day long, people on the street, in the hotel lobby, in taxi cabs, etc. have been coming up to me and saying: ‘Tom, vadavia-i-ciapp’… What is it? Something like ‘Volare’?… Or maybe ‘Welcome to Milan’?”… Das Gros im Saal krümmte sich vor Lachen, aber mir gings gleich, wie den restlichen Zuschauern; ich verstand nichts! Nun: “vadavia-i-ciapp” heisst im Mailänder-Dialekt soviel wie: Hau ab oder “Fuck you”…! Eyeballkid’s Blog sei Dank, sonst würde ich heute noch im Dunkeln tappen und rätseln: was wollte uns der Mann nun damit sagen? Das Piano-Set danach war für mich überragend, nicht zuletzt, weil der Sound perfekt abgemischt war. Und damit bin ich beim einzigen Negativpunkt dieses Konzertes angelangt. Es war definitiv zu leise. Tom Waits mit Band, da fehlten mir ein paar Dezibel Lautstärke. Die Leute vom Lärmschutz hats bestimmt gefreut, hier gabs sicherlich nichts zu bemängeln, das war Zimmerlautstärke. Aber eben, das Konzert als Solches war vom Feinsten: “On the Nickel”, gefolgt von “Tom Traubert’s Blues” und “You can never hold back spring”, welches Waits dann seinem alten Freund “Roberto Benigni” widmete und am Schluss “Innocent when you dream” bei welchem er die Zuschauer dazu aufforderte mitzusingen… “the bats are in the belfry… ja, was diese dann auch lauthals taten. Die Band setzte wieder ein und zeigte dem Publikum, dass sie vom klassisch anmutenden Song über Latino bis hin zur Polka und funkigen Grooves alles beherrschten. Herauszuheben wäre da vielleicht noch das wunderbare “I’ll shoot the moon” vom Album “Black Rider”. Nach “Makte it rain” war dann allerdings Schluss fürs Erste und Tom Waits verabschiedete sich theatralisch vom Publikum. Diesem reichte das aber noch nicht, Standing Ovations brachten einen sichtlich gut gelaunten Tom Waits nochmals für drei Zugaben auf die Bühne. Auf “Hold on” folgte eine lange bluesige Version von “Goin’ out west” vom Album “Bone Machine” und ganz am Schluss dann, das kürzlich durch Scarlett Johansson gecoverte “Anywhere I lay my head”. Ein wunderbarer Abschluss eines Konzertereignisses, dem ich mit grosser Erwartung entgegengefiebert hatte, ging zu Ende. Und es war grossartig… wie toll das Konzert war, habe ich dann erst richtig realisiert, als kürzlich der amerikanische Radiosender NPR das gesamte Konzert vom 5. Juli 2008 in Atlanta, aufs Netz stellte, samt Link zum mp3-Download. Selbverständlich hochoffiziell und legal, mit Einwilligung des Künstlers, versteht sich…!

Link zum Konzert in Atlanta

Band:
Vincent Henry (Woodwinds)
Casey Waits (Drums)
Omar Torrez (Guitar/Banjo)
Patrick Warren (Keyboard)
Seth Ford-Young (Bass)
Sullivan Waits (Clarinet)

Setlist:
Lucinda (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Way down in the hole (Frank’s wild years)
Falling Down (Big Time)
November (The Black Rider)
All the world is green (Blood Money)
Black Market Baby (Mule Variations)
Hang down your head (Raindogs)
Misery is the river of the world (Blood Money)
Eyball Kid (Mule Variations)
On the Nickel (Heartattack and Vine)
Tom Traubert’s Blues (Small Change)
You can never hold back spring (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Innocent when you dream (Frank’s wild years)
Lie to me (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Hoist that rag (Real Gone)
Trampled rose (Real Gone)
I’ll shoot the moon (The Black Rider)
Jockey full of bourbon (Raindogs)
Dirt in the ground (Bone Machine)
Make it rain (Real Gone)

Hold on (Mule Variations)
Goin’ out west (Bone Machine)
Anywhere I lay my head (Raindogs)

ah