Vater sein dagegen sehr…

Eigentlich sollte ich im Auftrag meiner Partnerin nur kurz unsere Tochter (12) zum Passbüro begleiten um die neue Identitätskarte in Auftrag zu geben. Meine Lebenspartnerin (wir sind (und das macht es manchmal nicht einfacher) nicht verheiratet) hatte letzte Woche mit dem Passbüro einen Termin vereinbart um ebendiese neue ID zu erfassen. Nun gut, die freundliche Dame vis à vis bat mich um die alte ID von unserer Tochter und um die Meine. “Hätten Sie mir dann noch bitte die Sorgerechtsbestätigung?” Wie bitte… Nein! eigentlich bin ich ja nur hier, weil meine Tochter eine neue ID benötigt.” Ja wissen Sie, dann muss Ihre Partnerin vorbeikommen um zu unterschreiben.” Moment was ist los? “Es könnte ja sein, dass Sie nicht mehr mit Ihrer Partnerin zusammen sind und nun das Kind entführen wollen… Nun auf das war ich nicht vorbereitet, darauf hatte ich schlicht keine Antwort. Nach längerem ungläubigem Schweigen, habe ich mir überlegt, wie das wohl wäre mit dem Entführen… also nicht meine Tochter, sondern die Beamtin. Ich liess den Gedanken allerdings wieder fallen, ich hätte meiner Tochter zuviel erklären müssen…
Auf meine Frage, ob sie denn meinem Geld vertrauen würden, schenkte mir die Dame nur ein verlegenes Lächeln!

ah

Achtung Fussgänger!

Als Gelegenheits-Boulespieler gehöre ich zu den Leuten, welche von Zeit zu Zeit am Quai-Nationale anzutreffen sind. Der lauschige Kiesplatz, mit Fast-Seeanstoss und fantastischem Panorama, wird rege von den Mitgliedern des Pétanqueclub Luzern bespielt und nicht zu Unrecht, als einer der schönsten Pétanqueplätze, weit und breit, bewundert. Eine ruhige Oase, welche zu jeder Jahreszeit Ferienstimmung verströmt und dementsprechend viele Schaulustige und Spaziergänger anzieht. Auf dem Weg entlang des Vierwaldstättersees gilt generell ein Fahrverbot, auch für Fahrräder. Erstaunt verfolge ich seit Jahren die sich immer wiederholenden Abstecher der Polizeifahrzeuge entlang der Fussgängerzone, gemütlich im Laufschritttempo und ohne Blaulicht, versteht sich… klassische Kontrollfahrten halt. Von Notfall oder Sondereinsatz kann hier wohl keine Rede sein. Nun sei mir einfach wieder einmal die Frage erlaubt; darf denn das die Polizei? oder nimmt sich hier der Ordnungshüter Freiheiten heraus, welche ihm nicht zustehen? Selbst wenn diese auffälligen Ausflüge von Gesetzes wegen erlaubt wären, wirkt das Ganze auf mich sehr provokativ und zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. Vor einiger Zeit habe ich mich einmal erdreistet bei den gerade patroullierenden Polizisten nachzufragen, wieso sie hier mit dem Auto fahren dürfen. Die Antwort war dann so kurz wie schnippisch: “Das geht Sie gar nichts an!” Nun, nach reichlicher Überlegung finde ich, als Steuerzahler geht uns das doch sehr wohl etwas an… sind wir doch sozusagen die Arbeitgeber ebendieser, unserer Behüter!
Beispiel gefällig, wie die Polizei, wie z.B. hier in Paris, auch auftreten könnte?

ParisPolice

ah

Jeff Bridges hat den Blues

“Country ist der Blues des weißen Mannes”, sagte Jeff Bridges, frisch ausgezeichneter Oscar-Gewinner für den Kinostreifen “Crazy Heart”, im ‘Stern’-Interview. Es geht hier um Verlust, Schmerzen und gebrochene Herzen. Beim Blues ist es nicht viel anders. Die besten Countrysongs erzählen von der Sehnsucht. Ihr Thema ist das Unterwegssein und die Endlosigkeit der Highways. Der Film Crazy Heart beginnt mit Bildern einer Prärielandschaft, über der sich ein azurblauer Himmel wölbt.
All my I’ve been loved and I’ve been alone
All my life I been a rolling stone
singt eine Männerstimme zur Akustikgitarre. Der Mann, der im rostigen Pullover durch den amerikanischen Süden fährt, heißt Bad Blake (bravourös gespielt von Jeff Bridges), ein Countrysänger, der seine besten Tage hinter sich hat. Er tingelt durch die Provinz, steigt in billigen Motels ab und spielt in Bowlinghallen und Spelunken, den Wirten dort ist strengstens untersagt, ihn mit Alkohol zu versorgen bei seinen Auftritten. Sie können, sagt einer von ihnen großzügig, aber gratis kegeln so viel sie wollen. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Whiskey. Bei seinen Konzerten muss er immer wieder mal in den Kulissen verschwinden, um sich in einen Mülleimer zu übergeben. Zurück auf der Bühne spielt er sein Gitarrensolo im Sitzen zu Ende. Sein größter Erfolg heißt Somebody Else. I used to be somebody, but now I’m somebody else, singt er da mit heller, brüchiger Stimme.
“Ich bin 57 Jahre alt, pleite und habe gerade noch zehn Dollar in meiner Tasche“, sagt er. Sein Leben ist eine einzige Flucht. Sofern er sich den Alkohol aus dem Leib gekotzt hat, und man ihn nicht bewusstlos neben dem Klo findet, kommt er noch ganz cool daher: Bad Blake hat viel verloren, aber ein Verlierer ist er nicht. In Santa Fe wird Blake von der jungen Lokalreporterin Jean (die bezaubernde Maggie Gyllenhaal) interviewt. Er erzählt von seiner Verehrung für Hank Williams und Gene Autry, von den vier gescheiterten Ehen und seinem Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Der einfühlsamen, hartnäckigen Frau gelingt es jedoch tatsächlich, zu ihm durchzudringen. Mehr noch, zwischen beiden entwickelt sich eine zarte Liebe. Mit Jean und ihrem kleinen Sohn kann er sich plötzlich noch eine Zukunft vorstellen. Und dann will ihn sein ehemaliger Zögling Tommy Sweet (Colin Farrell), der längst groß rausgekommen ist, die Massen mit seinem klebrigen Mainstream-Gesülze zu begeistern vermag, (wie im richtigen Leben halt ) auch noch als Songwriter und Support verpflichten. Klingt nach einer Wende, aber Blake ist für das Glück nicht geschaffen, vor Bindungen flieht er in den Alkohol, als die Reporterin ihn in Houston besucht, soll er ein paar Stunden auf ihren kleinen Sohn aufpassen. Blake steuert die nächste Bar an, und der Junge geht verloren. Nein, nein, hier haben wir keine wirklich tragische Geschichte vor uns. Im Gegenteil, the lust for life, die Gier nach dem Leben, nicht geboren aus Leid und Verlust, das ist in jeder Szene dieses Films zu spüren. Und dieser Streifen lebt eben unabdingbar auch von der Musik. Die eigens für den Film komponierten Songs sind weit mehr als Hintergrundbeschallung. Die Live-Nummern gehören zu den Highlights des Films. Für die Musik zeichnen mit dem genialen T-Bone Burnett und dem viel zu früh verstorbenen Stephen Bruton zwei absolute Könner ihres Fachs verantwortlich. Jeff Bridges beweist, dass er auch als Musiker durchaus Karriere hätte machen können und seine Stimme auch beim Singen überaus interessant klingt. Auf sechs Songs ist sie zu hören. “Hold On You” ist in langsames von der zarten Rhythmus- und Akkordeonbegleitung geprägtes Lied, “Somebody Else” dagegen ein Country-Rockabilly, “Fallin’ & Flying” , mein Favorit, überzeugt als sexy Country-Twang-Stück. “I Don’t Know” in der Bridges-Version ist mit Zydeco-Akkordeon verziert, während “Brand New Angel” wieder langsam und getragen daherkommt. Dazu kommt noch eine von Bridges und Colin Farell zusammen aufgenommene Version von “Fallin’ und Flying“. In der Auswahl des ergänzenden Musikmaterials haben Burnett und Bruton hervorragende Arbeit geleistet. Musikalisch und Thematisch ordnen sich die Songs glänzend ein. Der tragische, texanische Held Townes Van Zandt ist mit “If I Needed You” dabei, die Country-Rock-Poetin Lucinda Williams mit “Joy”, vertreten und Sam Phillips singt einmal mehr ganz wunderschön “Reflecting Light“. Auch auf Blues wurde nicht gänzlich verzichtet: Lightnin´ Hopkins interpretiert “Once A Gambler“. Einen schönen Abschluss gibt es mit der Titelmelodie des Films: “The Weary Kind“ von Ryan Bingham, eines der grössten Talente der Countryszene, wie er vor einem Jahr mit seiner zweiten CD “Roadhouse Sun“ eindrücklich bewiesen hat, für mich ein Juwel des letzten Jahres.

Crazy Heart, oder im Whiskey liegt die Wahrheit.

lusch

I’ll be willin’, to be movin’

iPod sei Dank, dass ich seit einigen Jahren wieder intensiv Musik höre. Während der Arbeit geht das (manchmal) wunderbar. Und wenn mich dann ab und an, der Random-Teufel reitet, so entdecke ich meist wieder neue und zuweilen alte Musikperlen. So geschehen, kürzlich, an einem tristen Montagmorgen. Nach Zappas “Titties and Beer”, welches mich relaxt mitwippen liess, erkannte ich den nächsten Song vom ersten Ton an: Willin’! Lowell George, der Mitbegründer und Kopf von Little Feat hat mich immer fasziniert, mal ganz davon abgesehen, dass dieser Mann halt eben “Willin’” geschrieben hat, einer meiner absoluten und ewigen Lieblingssongs. Zu Willin’ gibt es übrigens eine wunderbare Anekdote: Lowell Georges musikalischen Anfänge finden sich bei den “Mothers of Invention”, Frank Zappas Band. Dort wäre er zu gerne als Sänger und Gitarrist eingestiegen. Nur, Zappa verlangte für Lowells Einstieg, quasi als Mitgift, dessen Song “Willin’”. Das war Lowell George (Gott sei Dank) zu viel und er gründete daraufhin Little Feat. Die wunderschöne Version welche ich hörte, stammt vom Live-Mitschnitt “Waiting for Columbus”, einem Album, welches mich nun schon gut 30 Jahre begleitet. Und es hat noch nichts von seiner Faszination verloren, ganz im Gegenteil, ich habe bis dato in punkto Qualität einfach noch nichts Vergleichbares gehört, jedenfalls fällt mir spontan nichts ein. Wohlverstanden, “Waiting for Columbus” erschien 1978! Ein Jahr vor dem tragischen und leider viel zu frühen Tod von Lowell George. Man mag mich einen Nostalgiker schimpfen, doch Qualität hat für mich kein Verfalldatum. Dies mag vielleicht nicht auf die Bio-Milch der Migros zutreffen, aber bei solchen Meilensteinen der Musikgeschichte stehe ich 100 prozentig zu dieser Aussage.
“Waiting for Columbus” ist für mich das glückliche Zusammentreffen von Genie, Spielfreude und ganz viel Rock’n’Roll-Herz, gepaart mit einer Riesenportion Perfektion! Es passt einfach alles und zwar 100prozentig! Zu schön fand ich da das untenstehende Video bei Youtube. Ich nehme mal an, dass diese Pressekonferenz anlässlich des Auftritts von Little Feat beim Rockpalast 1977 in Köln stattfand.
Wer nun immer noch meint, Mario Barth, Heidi Klum, Dieter Bohlen oder wie sie alle heissen, seien an Peinlichkeit nicht zu übertreffen, dem sei dieses Zeitdokument wärmstens empfohlen. Die Moral der Geschicht… nicht nur Qualität ist zeitlos…

ah

Monday’s Ghost

Kürzlich wurd ich während einer Diskussion gefragt, was denn für mich wirklich grosse Musik ausmache. Wieso lässt dich zum Beispiel “Oasis” völlig kalt und um eine Band aus demselben Genre zu nennen, “Eels” eben nicht. Meine Antwort darauf: Herz! Ganz viel Herz und Authenzität. Und damit bin ich mittendrin in der musikalischen Welt der Sophie Hunger. Diese Frau versteht es, mit ihrer stimmigen Phrasierung Wellen zu glätten um diese im nächsten Moment meterhoch über einem zu zerbersten. Man hat streckenweise das Gefühl, dass jedes einzelne Wort, seine ganz eigene Klangfarbe besitzt und Sophie Hunger versteht es aufs Eindringslichste, damit zu spielen. Obwohl, Spielen wohl das falsche Wort ist, vielmehr ist es ein weiteres wichtiges und intimes Detail in ihrer Musik. Was mit “Sketches on Sea” vor zwei Jahren begann, findet bei “Monday’s Ghost”, ihrem aktuellen Album, die logische Fortsetzung. Und das meine ich absolut nicht abwertend; im Gegenteil! Logische Fortsetzung, weil sie es bereits bei der ersten CD verstand, den Songs eine wunderbare, intime Stimmung einzuverleiben. Bei “Monday’s Ghost” ist die Betonung der Wörter noch intensiver und was vor allem begeistert, ist die Band die nun ins Spiel kommt. Diese harmoniert mit der Stimme von Sophie Hunger so perfekt und feinfühlig, dass einem wohlig warm ums Herz wird. “Monday’s Ghost” gehört für mich zu den wichtigsten und schönsten Alben, welche die Schweizer Musikszene hervorgebracht hat. Ich freue mich auf mehr, auf viel mehr von dieser Ausnahmekünstlerin.
Am 29. November übrigens spielt Sophie Hunger mit den Young Gods im KKL Luzern und auch darauf freue ich mich schon jetzt riesig.
Meine Anspieltipps: Sophie Hunger Blues, Rise and fall, Drainpipes

ah

SBB-SOCKS!

Kürzlich musste ich mit dem Zug nach Stans. Nichts Ungewöhnliches eigentlich, reise ich doch regelmässig und gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich muss allerdings vorausschicken, dass ich nicht zu den Leuten gehöre, welche auf den letzten Drücker am Perron erscheinen. Das geht bei mir einfach nicht. Also stehe ich meist 10 bis 15 Minuten bevor der Zug fährt am Bahngleis. An besagtem Tag allerdings, war ich für meine Verhältnisse, spät dran. Um 13.11 Uhr sollte der Zug abfahren, kurz vor 13 Uhr musste ich noch zum Bankomaten und danach die Fahrkarte lösen. Das tat ich dann auch und begab mich an den Schalter der SBB. Gut zu Wissen, dass Luzern einen Express-Schalter eingerichtet hat: “Für Reisende deren Zug in 15 Minuten fährt” stand da in blinkenden Lettern. Die vier amerikanischen Touristen, welche Zuvorderst standen, verliessen gerade zufrieden den Schalter. Vor mir nur noch ein junger Herr in braunem Anzug. Als Zweiter in der Reihe bekommt man, ob man es nun möchte oder nicht, fast den gesamten Dialog mit. Ich weiss zum Beispiel jetzt, dass Bankangestellte ihre Geschenkgutscheine 1. während der Arbeitszeit, 2. mit Quittung (auf die Bank ausgestellt) und 3. am falschen Schalter lösen, aber 4. nicht wissen wo man Socken kauft. Nun gut, die ersten zwei Punkte gehen mich ja nichts an. Beim Dritten könnte man noch dagegen halten, dass der Mann vielleicht gar nicht bemerkt hat, dass er am Dringlichkeits-Schalter steht. Dem entgegne ich: wieso sagt ihm denn das keiner? Der nette Herr an besagtem Schalter fühlte sich in keiner Weise dazu veranlasst. Im Gegenteil, die Herren bebauchpinselten sich gegenseitig und ein Wort ergab das Andere… können Sie mir sagen, wie lang denn dieser Gutschein gültig ist… ah, danke… und wann fährt nun die Bahn und von wo habe ich die beste Verbindung?… Ach ja, darf ich Ihnen noch eine Quittung ausstellen? Herzlichen Dank… Gerngeschehen, war mir ein Vergnügen. Ganz meinerseits… Das Ganze Verkaufsgespräch dauerte fast zehn Minuten. Wie man das noch toppen kann? Beim Abwenden drehte sich der sichtlich zufriedene Herr nochmals dem Ticketverkäufer zu und fragte: “Ach, fast hätte ich’s vergesen, können Sie mir noch sagen, wo ich hier in der Nähe Socken kaufen kann?” Die Antwort habe ich nicht mehr gehört… und ich wollte sie auch nicht hören. Meinem ziemlich agressiven “Schalten Sie die verdammte Leuchtschrift da oben aus”, entgegnete der Herr am Schalter dann nichts mehr ausser einem völlig konsternierten Blick. Mein Vorschlag also: Liebe SBB, schaut doch mal bei der Post vorbei. Da bekommt man mittlerweile vom Handy über wiederbeschreibbare CDs bis hin zu den auf Kinderaugenhöhe plazierten Schleckereien, alles was das Herz begehrt. Was, liebe SBB, spricht am Expressschalter gegen eine gemütliche Kaffee-Ecke mit kleinen Accessoires wie Socken, Krawatten, Haar-Gel oder Ähnlichem? Übrigens, den Zug habe ich 10 Sekunden, also knapp vor der regulären Abfahrt noch erwischt… meinem sportlichen Sondereinsatz sei Dank!

ah

Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Per Zufall zappte ich kürzlich auf SF1 wo im Club zum Thema “Offroader-Initiative: Krieg den Kraftprotzen” heiss diskutiert wurde. Diskutieren ist vielleicht etwas hoch gegriffen, jedenfalls sassen da mehrere Personen und tauschten Informationen aus. Und dann heisst es immer, das Schweizer Fernsehen hätte keinen Humor, pa! Dass ich nicht lache! Ich muss zugeben, dass auch ich in Sachen Humor meist “fremdgehe”. Mir sind halt z.B. Christoph Grissemann und Dirk Stermann bei “Willkommen Österreich” tausenmal lieber, als die unzähligen Standup-Comedians der deutschen Privatsender. Nun aber weiss ich, dass auch wir Schweizer ein Satire-Magazin haben. Real-Satire um genau zu sein. Herr Scherrer, seines Zeichens Polizeidirektor der Stadt Biel und amtierender Präsident des Kommitees gegen die Offroader-Initiative, fühlte sich jedenfalls in der Rolle des allwissenden “Auto-Papstes” richtig wohl und lachte mit Sicherheit am meisten (allerdings auch als Einziger) über seine Witze. Die Polizei, dein Freund und Helfer! Seit Kurzem wissen die “Linken und Sozis”, dass sie von diesem Leitsatz, zumindest in Biel, ausgeschlossen sind. Aber lustig war er schon, der Herr Scherrer. Wie er die Autoindustrie und im Speziellen, den Grossstadt-Traktor in Schutz genommen hat, das hatte was Rührendes. Sollen doch die Grünen und Sozis über CO2, Klimaerwärmung und andere Bagatellen der Menschheit weiterhin Lügen erzählen, gell Herr Scherrer, wir verlieren den Humor dabei nicht! Ja so sind sie halt, die wahren Humoristen; viel zu bescheiden. Und noch was habe ich gelernt an diesem Abend: Blondinenwitze gibt es noch! SF1-Club sei Dank! Der Retro-Wahnsinn geht weiter… aber wie bereits im Titel erwähnt, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und lachen tut laut Sprichwort ja eh der am Besten, welcher zuletzt lacht. Ha! Ein Hoch auf die wahren Komiker!

ah

Wenn der Sommer leise Servus sagt

Doyle Bramhall spielt immer noch in der Champions League

Der texanische Bluesmusiker legt mit „Is it news“ sein drittes Werk in 13 Jahren vor, was ihn nicht gerade in die Gilde der Schwerstabeiter stellt. Aber Doyle Bramhall, 1949 in Dallas, Texas geboren, versüsst uns das Leben mit seinem gelegentlichen Erscheinen immer wieder.
Stevie Ray und Jimmie Vaughan spielten einst in der Band des Texaners, ausserdem schrieb der Trommler, Gitarrist und Sänger einige von Stevies grössten Hits. So zum Beispiel „Dirty Pool”, einen Song, den man auf Stevie Ray Vaughans Debütalbum Texas Flood hören kann. In seiner Heimat ist Doyle Bramhall bekannt wie ein bunter Hund, kein Wunder wenn er solche Scheiben veröffentlicht. Für „Is it news“ hat Bramhall, den aus dem Südwesten Louisianas stammenden Songwriter und Gitarristen C.C. Adcock, als Co-Autor, Produzent und zu meiner Glückseligkeit als Gitarrist mit an Board geholt. Das 2000 erschienene Album „House Rocker” von Charles Clinton Adcock gehört für mich immer noch zum Besten, was der Musikplanet zu bieten hat. Die Musik, zu der es C.C. Adcock hinzieht, ist der Zydeco. Zydeco stammt von der Musik der Kreolen ab, die im Süden der USA zu den französisch sprechenden Schwarzen gehören. Auch hat Mister Adcock nicht vergessen, die Magie des Voodoo`s mit ins Studio zu nehmen.
So ist aus „Is it news“ ein Meisterwerk entstanden, vor dem ich bewundernd mein Haupt neige, auch wenn der Platte jeglicher roter Faden fehlt. Doch genau das sorgt für eine knisternde Spannung. Dem Opener „Lost in the Congo“ fällt es leicht, sich mit stampfendem Bass und einer herrlich klampfenden Hookline ins Gehör zu spielen. Gelegentliches Übersteuern der Verstärker sorgt für den rauen Charakter dieses bluesigen Klangkörpers, der keinen Stillstand zulässt. Der bestimmte Gesang gibt das Zepter aber nicht aus der Hand und lässt das erdige „Is it news“ tief in der Seele wurzeln. Im Gedanken an John Lee Hooker ringt der Bass nach Luft und treibt die Rhythmusgitarren an. „Chateau Strut“ das Bramhall in den 70ern mit Billy Etheridge und Jimmie Vaughan eingespielt hat, versprüht die Zuversicht und Gelassenheit dieser Jahre. Mit „Tortured Soul“ lässt uns Bramhall durch den tiefen Süden von Adcocks Heimat trampen. Deutlich mehr Blues steckt in „Cryin“s Doublebass, welcher polternd den Dachboden durchforstet und nach Fotos vergangener Liebeleien sucht. „I´ll take you away“ macht süchtig, da glaubt sogar ein überzeugter Single wieder an die Liebe. Ganz grosses Kino, ich sehe Lauren Bacall lasziv durch das Bild laufen. Dann lässt der Himmel alle Schleusen offen und lässt „Big“ auf uns niederprasseln. Das erinnert doch sehr an die Warnungen unserer Mütter vor den langhaarigen, in Jeans gekleideten Jungs aus der Nachbarschaft. Laut und tobend krachen die Gitarren über unseren Köpfen. Neben C.C. Adcock zeigt Denny Freeman sein ganzes Können. Doyle nimmt uns an die Hand und begleitet uns durch das wehmütige „Ooh Wee Baby“. Besten Southern Rock gibt es auf „Top Rank Boxing“ zu hören, mit einem coolen Gitarrensolo von Mike Keller. Ein absolutes Highlight ist sicherlich „That Day“, diese Nummer schreib Bramhall unmittelbar nachdem er von Stevie Ray Vaughans Tod erfahren hat. Zwei Gitarren begleiten seine gefühlvolle Hommage an den zu früh verstorbenen Freund. Mit einem weiteren Besuch in der Heimat Adcocks endet dieses tolle Album, Bramhall Drums schlagen den Beat des Südens auf „Little Star“.
Lasst uns also den baldigen Verlust des Sommers sportlich nehmen, und lassen wir uns von Doyle Bramhall sanft in kältere Tage begleiten.

lusch

Tom, vadavia-i-ciapp…

Fantastisches Tom Waits-Konzert in Mailand

Dass ich Tom Waits doch noch  live erleben durfte, verdanke ich wohl nicht zuletzt dem Umstand, dass Waits den Vorverkauf für die gesamte US und Europa-Tour mit einem neuen Ticket-System (Ticketmaster) abwickelte, bei welchem man die Konzertkarten nur mit der passenden ID ausgehändigt bekam. Bei Künstlern wie Waits, welche jeweils nur ein paar ausgewählte und kleinere Locations beehren, finde ich das eine optimale Lösung. Der Schwarzmarkt wird somit gänzlich unterbunden. Nun gut, jedenfalls betrat ich am 17. Juli kurz vor 21 Uhr das Teatro di Arcimboldi in Mailand. Ich gebe gerne zu, dass mein Herz etwas schneller geschlagen hat, als ich meinen Platz auf der Gallerie einnahm. Kurz vor Konzertbeginn ging im Saal plötzlich ein Raunen durchs Publikum, die Leute sprangen auf und tatsächlich, da war er: Roberto Benigni! Er lief mit seiner Frau, Nicoletta Braschi zu seinem Platz und genoss etwas verlegen die Sympathiebekundungen aus dem Publikum. Und dann wars endlich soweit, das Licht ging aus, ein paar Gestalten huschten auf die dunkle Bühne und stimmten unter frenetischem Applaus “Lucinda” an. Es sollte nicht der letzte Song vom wunderbaren Album “Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards” sein. Überhaupt spielte Waits auf der gesamten Tour, durchwegs auserlesen schöne Sets, welche sich quer durch das Musik-Universum dieses Ausnahmekünstlers zogen. Zum Beispiel eine wunderschöne Version von “All the world is green” vom Album “Blood Money” und gleich danach “Black Market Baby”, einer leicht groovenden Reggae-Version. Nach gut einer Stunde schlurfte der Maestro in Richtung Piano und leitete das Solo-Set wie folgt ein: “All day long, people on the street, in the hotel lobby, in taxi cabs, etc. have been coming up to me and saying: ‘Tom, vadavia-i-ciapp’… What is it? Something like ‘Volare’?… Or maybe ‘Welcome to Milan’?”… Das Gros im Saal krümmte sich vor Lachen, aber mir gings gleich, wie den restlichen Zuschauern; ich verstand nichts! Nun: “vadavia-i-ciapp” heisst im Mailänder-Dialekt soviel wie: Hau ab oder “Fuck you”…! Eyeballkid’s Blog sei Dank, sonst würde ich heute noch im Dunkeln tappen und rätseln: was wollte uns der Mann nun damit sagen? Das Piano-Set danach war für mich überragend, nicht zuletzt, weil der Sound perfekt abgemischt war. Und damit bin ich beim einzigen Negativpunkt dieses Konzertes angelangt. Es war definitiv zu leise. Tom Waits mit Band, da fehlten mir ein paar Dezibel Lautstärke. Die Leute vom Lärmschutz hats bestimmt gefreut, hier gabs sicherlich nichts zu bemängeln, das war Zimmerlautstärke. Aber eben, das Konzert als Solches war vom Feinsten: “On the Nickel”, gefolgt von “Tom Traubert’s Blues” und “You can never hold back spring”, welches Waits dann seinem alten Freund “Roberto Benigni” widmete und am Schluss “Innocent when you dream” bei welchem er die Zuschauer dazu aufforderte mitzusingen… “the bats are in the belfry… ja, was diese dann auch lauthals taten. Die Band setzte wieder ein und zeigte dem Publikum, dass sie vom klassisch anmutenden Song über Latino bis hin zur Polka und funkigen Grooves alles beherrschten. Herauszuheben wäre da vielleicht noch das wunderbare “I’ll shoot the moon” vom Album “Black Rider”. Nach “Makte it rain” war dann allerdings Schluss fürs Erste und Tom Waits verabschiedete sich theatralisch vom Publikum. Diesem reichte das aber noch nicht, Standing Ovations brachten einen sichtlich gut gelaunten Tom Waits nochmals für drei Zugaben auf die Bühne. Auf “Hold on” folgte eine lange bluesige Version von “Goin’ out west” vom Album “Bone Machine” und ganz am Schluss dann, das kürzlich durch Scarlett Johansson gecoverte “Anywhere I lay my head”. Ein wunderbarer Abschluss eines Konzertereignisses, dem ich mit grosser Erwartung entgegengefiebert hatte, ging zu Ende. Und es war grossartig… wie toll das Konzert war, habe ich dann erst richtig realisiert, als kürzlich der amerikanische Radiosender NPR das gesamte Konzert vom 5. Juli 2008 in Atlanta, aufs Netz stellte, samt Link zum mp3-Download. Selbverständlich hochoffiziell und legal, mit Einwilligung des Künstlers, versteht sich…!

Link zum Konzert in Atlanta

Band:
Vincent Henry (Woodwinds)
Casey Waits (Drums)
Omar Torrez (Guitar/Banjo)
Patrick Warren (Keyboard)
Seth Ford-Young (Bass)
Sullivan Waits (Clarinet)

Setlist:
Lucinda (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Way down in the hole (Frank’s wild years)
Falling Down (Big Time)
November (The Black Rider)
All the world is green (Blood Money)
Black Market Baby (Mule Variations)
Hang down your head (Raindogs)
Misery is the river of the world (Blood Money)
Eyball Kid (Mule Variations)
On the Nickel (Heartattack and Vine)
Tom Traubert’s Blues (Small Change)
You can never hold back spring (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Innocent when you dream (Frank’s wild years)
Lie to me (Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards)
Hoist that rag (Real Gone)
Trampled rose (Real Gone)
I’ll shoot the moon (The Black Rider)
Jockey full of bourbon (Raindogs)
Dirt in the ground (Bone Machine)
Make it rain (Real Gone)

Hold on (Mule Variations)
Goin’ out west (Bone Machine)
Anywhere I lay my head (Raindogs)

ah